Mit diesen Worten schilderte eine Zeitung wenige Tage nach der Rheinkatastrophe vom September 1927 das Bild in Schaan. Was sich dort an jenem Wochenende abspielte, gehört bis heute zu den größten Naturkatastrophen in der Geschichte Liechtensteins. Gleichzeitig wurde sie auch für die Gebrüder Hilti zu einer der schwersten Prüfungen ihrer Unternehmensgeschichte.
Seit Tagen hatten heftige Regenfälle und die Schneeschmelze in den Bergen den Rhein anschwellen lassen. Am Abend des 25. September brach schließlich der Damm unter dem Druck der Wassermassen. Innerhalb kurzer Zeit wurden Schaan und das Unterland überflutet. Zahlreiche Menschen mussten ihre Häuser verlassen, zwei Menschen kamen ums Leben. Der Schaden ging in die Millionen.
Auch die Gebrüder Hilti traf die Katastrophe mit voller Wucht. Die Fluten rissen das Magazin des Unternehmens in Schaan fort – und damit Werkzeuge, Baumaterial und Geräte. Für das Bauunternehmen bedeutete das weit mehr als einen materiellen Verlust: Innerhalb weniger Stunden war ein großer Teil dessen verschwunden, was über Jahrzehnte aufgebaut worden war.
Hilti-Arbeiter – zu dieser Zeit mit dem Bau der Pfälzer Hütte beschäftigt – erfuhren auf dem Weg ins Tal vom großen Unglück und sahen von weitem das Ausmaß der Katastrophe. Besonders tragisch war das Ereignis für Firmengründer Caspar Hilti. Nur wenige Tage nach dem Dammbruch starb er im Alter von 83 Jahren an einem Herzinfarkt. In der Familie erzählte man sich später, von der Anhöhe Dux über Schaan habe er das Ausmaß der Überschwemmung gesehen. Der Schock über die Zerstörung des Magazins und den Verlust des Lebenswerks habe seinen Tod ausgelöst.
Doch schon bald begann der Wiederaufbau. Lorenz Hilti gehörte jenem vom Landtag eingesetzten Komitee an, das die dringendsten Maßnahmen koordinierte. Die Gebrüder Hilti erhielten den Auftrag, beschädigte Rheinwuhre wiederherzustellen und am Ausbau des Hochwasserschutzes mitzuwirken.
1928 wurde dafür ein mächtiger Dampfbagger eingesetzt – für viele damals ein geradezu unglaublicher Anblick. Eine Zeitung beschrieb das „Maschinenungeheuer“, das sich mit lautem Pusten und einer riesigen Schaufel durch Kies und Wasser fraß, um den neuen Entlastungskanal auszuheben. Der Bagger gehörte den Gebrüdern Hilti und stand für den Neuanfang: Ausgerechnet jenes Unternehmen, das selbst von der Flut schwer getroffen worden war, half nun mit, das Land besser vor künftigen Hochwassern zu schützen.
Aus der Katastrophe entstand so auch eine Aufgabe, die das Unternehmen rund zehn Jahre begleiten sollte. Die Arbeiten an Rheinverbauungen, Dämmen und Entwässerungsanlagen prägten nicht nur das Landschaftsbild Liechtensteins, sondern auch die Geschichte der Gebrüder Hilti. Sie zeigen bis heute, wofür das Unternehmen seit seinen Anfängen steht: anzupacken, wenn es darauf ankommt.
Factbox „Rheinregulierung“
Auftraggeber: Internationale Rheinregulierung
Bauarbeiten: unter anderen Gebrüder Hilti, Schaan
Bauzeit: ab September 1927
Baugattung: Tiefbau



