„Wie soll ich diese Arbeit nur umsetzen?“
Mit dieser Frage im Kopf war Caspar Hilti zu Fuß auf seinem Arbeitsweg von Schaan nach Feldkirch, wie so oft. Eine anspruchsvolle Stukkaturarbeit wartete auf ihn. Wohlgeformte Linien, Formen und feine Übergänge aus Stuck sollten entstehen. Doch wie umsetzen? Die zündende Idee fehlte – trotz aller Erfahrung fand er trotz langem Nachdenken zu keiner Lösung, die ihn überzeugte.
Schon hatte er die Grenze zu Österreich passiert und kam in Tisis an einer kleinen Kapelle vorbei. Für Caspar Hilti, einen gläubigen Menschen, waren solche Orte mehr als bloße Gebäude. Für ihn waren sie ein Platz der Ruhe und Kraft. Kurz entschlossen trat er ein, um sich auf die angenehme Stille einzulassen.
Während er ein Gebet sprach, fiel sein Blick auf den Altar und den dort Abgebildeten: Der Heilige Antonius von Padua wird gerne von Menschen um Hilfe angerufen, wenn sie etwas verloren haben – vielleicht konnte er auch ihm mit seinem Anliegen helfen? Dabei bemerkte er plötzlich die kunstvollen Verzierungen seitlich des Altars. Ranken, Bänder und Gesimse im weißen Stuck – und schon sah er die Lösung für seine eigene Arbeit vor sich. Mit einem klaren Bild vor Augen verließ er die Kapelle, um sich schnell an seinen Auftrag zu machen und die Inspiration umzusetzen.
Die Geschichte wird bis heute im Unternehmen erzählt. Sie steht für eine Haltung, die den Betrieb von Anfang an geprägt hat: Gute Arbeit entsteht aus Aufmerksamkeit, aus Offenheit für Inspiration – und aus dem Anspruch, handwerkliche Qualität immer weiterzuentwickeln.
Der Glaube gab dem Firmengründer einst Halt und Orientierung. Gleichzeitig wurde er immer wieder zur Quelle neuer Ideen – bei kleinen Aufträgen ebenso wie bei großen Bauprojekten, etwa der Gedächtniskirche in Balzers oder dem Kloster in Schaan, das seine Nachkommen bauten.


