1912

1912

Bauwerk im eigenen Blickfeld: die Finanzlandesdirektion

An einem neuralgischen Punkt von Feldkirch steht eines der markantesten Gebäude der Stadt: die Vorarlberger Finanzlandesdirektion an der Illbrücke. Der monumentale Bau wurde 1912 fertiggestellt. Er diente als kaiserlich-königliche Finanzbezirksdirektion für Vorarlberg und Liechtenstein und ist heute die Finanzlandesdirektion (FLD) für Vorarlberg. Gemeinsam mit dem Landesgericht bildet das Gebäude bis jetzt ein repräsentatives Ensemble am Eingang zur Stadt und gilt als bedeutendes Beispiel für Jugendstilarchitektur in Feldkirch.

 

Visitenkarte des Unternehmens

1911 erhielt die Baufirma Caspar Hilti den Auftrag für die Ausführung des Gebäudes. Entworfen hatte es der Wiener Architekt Ernst Dittrich, der auch das Landesgericht geplant hatte. Für das Bauunternehmen war dieses Projekt mehr als ein gewöhnlicher öffentlicher Auftrag. Der Bau entstand direkt gegenüber dem Firmensitz – nur durch die Ill getrennt. Von den Fenstern der Firmenzentrale aus konnte man den Fortschritt täglich beobachten. Damit wurde die Finanzlandesdirektion zu einer besonderen Visitenkarte des Unternehmens: ein Bauwerk, das man jeden Tag vor Augen hatte. Ein schlecht ausgeführtes Projekt hätte man sich hier kaum leisten können – umso solider musste die Qualität der Arbeiten sein.

Auch der Zeitplan war ambitioniert. Im April 1911 erhielt die Firma Caspar Hilti den Zuschlag, bis zum Eintritt des Winters sollte der Bau überdacht sein. Schlussendlich wurde das Gebäude im Dezember 1912 innen und außen vollendet. Dass die tatsächliche Ausführung Eindruck machte, zeigt ein Bericht im Feldkircher Anzeiger vom Dezember 1912:

„Das neue Finanzbezirksgebäude ist nun vollendet und bildet für Feldkirch eine neue Sehenswürdigkeit, um die uns manche Großstadt beneiden wird.“

Mehr als ein Jahrhundert später prägt das Gebäude noch immer das Stadtbild von Feldkirch, baulich unverändert. Für die Firma Hilti & Jehle, deren Hauptsitz sich weiterhin gegenüber befindet, ist die Finanzlandesdirektion ein sichtbares Zeugnis dafür, dass gutes Bauhandwerk Generationen überdauert.

Die Baustelle 1911/12, heute unvorstellbar: Bauen ohne Kran und mit einem Gerüst, dessen Fichtenholzlatten mit Stricken zusammengehalten wurden
Finanzlandesdirektion nach der Fertigstellung, 1914 – mit Blick auf das Hilti-Firmengebäude (Mitte)
Foto: Ansichtskartensammlung/Vorarlberger Landesbibliothek