1928

1928

Bauen mit dem, was da war: die Pfälzer Hütte

Im Rätikon, auf rund 2.100 Metern Seehöhe, steht ein Gebäude, das zeigt, wie bei uns schon vor 100 Jahren gebaut wurde: die Pfälzer Hütte. Benannt nach dem damaligen Auftraggeber ist sie bis heute ein Beispiel für eine Bauweise, die Generationen überdauert.

 

Gebaut wurde in den Jahren 1927 und 1928 – unter Bedingungen, die mehr als anspruchsvoll waren. Die Hütte liegt auf einem schmalen Grat, dem Bettlerjoch, und ist immer wieder starkem Wind und heftigen Stürmen ausgesetzt. Entsprechend solide wurde geplant und auch gebaut. So entstand ein massives Gebäude mit vier Ebenen, das bis heute Bestand hat – und bis heute das Ziel vieler Wanderer ist.

Die Situation während der Bauzeit war herausfordernd: Zunächst mussten die Arbeiter belastbare Wege anlegen, um Material überhaupt zur Baustelle transportieren zu können – und eine Quelle fassen, um die Wasserzufuhr zu sichern. Im Juli 1927 hoben sie den Bauschacht aus und errichteten das Fundament. Danach mauerten sie das Gebäude Stein für Stein – mit Bruchsteinen, die sie direkt aus dem Fels sprengten.

Immer wieder schneite es im Sommer 1927 am Bettlerjoch ausgiebig. Dennoch kamen die Bauarbeiten gut voran. Die Arbeiter werkten auch sonntags, blieben wochenlang oben und aßen und übernachteten in einer einfachen Baracke unterhalb der Baustelle.

Gebaut wurde mit dem Material, das bei der Baustelle zu finden war: Sand aus einer nahegelegenen Kiesgrube, Bruchsteine aus dem Gelände und Holz aus dem Sücka-Wald – eine großzügige Spende des Fürsten von Liechtenstein.

Mitte September konnten die Arbeiter das Dach eindecken und das Richtfest feiern. Dann ging es an die Maurer- und Putzarbeiten im Inneren. Im Oktober schneite es jedoch so stark, dass die Baustelle geräumt werden musste. Erst im Juni 1928 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden – allerdings erst, nachdem die Arbeiter den Weg dahin freigeschaufelt hatten, um Material nach oben zu transportieren.

Und dann blieben nur noch sechs Wochen Arbeitszeit bis zur Eröffnung: Am 5. August, nach 113 Bautagen, wurde die Pfälzer Hütte eingeweiht.

Was heute als nachhaltig gilt, war damals selbstverständlich: kurze Transportwege, viel Handarbeit und die Fähigkeit, kreative Lösungen für Unvorhergesehenes zu finden.

Die Pfälzer Hütte zeigt bis heute, was gutes Bauen ausmacht: mit dem arbeiten, was da ist – und etwas schaffen, das bleibt.

Factbox „Pfälzer Hütte“

Auftraggeber: Verband der Pfälzischen Sektionen im deutschen und österreichischen Alpenverein, seit 1950 im Eigentum des Liechtensteiner Alpenvereins
Architekt: Ernst Sommerlad, Schaan/Vaduz
Baumeister/Zimmermann: Gebrüder Hilti, Schaan
Bauzeit: Juli 1927 bis August 1928 (mit Unterbrechung zwischen Oktober und Juni)
Baukosten: 93.000 SFR
Baugattung: Hochbau

Pläne des deutschen Architekten Ernst Sommerlad – er brachte die Moderne nach Liechtenstein.
Im Winter 1927/1928 schneite es so viel, dass die Baustelle ruhte – Fenster und Türen wurden mit Bretterverschalungen verschlossen.
Erst fünf Wochen vor Eröffnung, im August 1928, konnte die letzte Bauetappe in Angriff genommen werden.
Auch später wurde Gebrüder Hilti mit Arbeiten an der Pfälzer Hütte beauftragt – hier in den 1980er-Jahren.
Pfälzer Hütte heute, Foto: Eddy Risch