1912

1912

Bauprojekt mit langem Atem: Jubiläumskirche in Balzers

Stein war für Caspar Hilti und seine Söhne nicht nur ein Baustoff, sondern immer eine wichtige Grundlage für gutes Bauen. Mit der Pacht des Steinbruchs in Balzers im Jahr 1906 und der Mitgründung der Marmorindustrie Trübbach zwei Jahre später durch Kaspar Hilti jun. sicherte sich die Familie, was im Bau entscheidend ist: Kontrolle über Menge und Qualität guter Rohstoffe. Das zeigte sich auch 1915 mit der Gründung der ersten Schweizer Zweigniederlassung Hilti & Müssner in Sargans.

Wenig später bot sich die Gelegenheit, das gewonnene Material bei einem Bauprojekt einzusetzen. In Balzers sollte eine neue Pfarrkirche entstehen. Die alte war längst zu klein geworden, jeden Sonntag drängten sich die Menschen davor. Nach den Plänen des fürstlichen Hofarchitekten und mit finanzieller Unterstützung des Fürsten begann 1909 der Neubau.

Mit den Bauarbeiten wurde Maurermeister Kaspar Hilti beauftragt. Gemeinsam mit seinen Arbeitern übernahm er die Erd-, Maurer- und Steinmetzarbeiten. Der Stein für die markante Fassade stammte aus dem Balzner Steinbruch. Die tragenden Säulen im Inneren wurden aus Trübbacher Marmor gefertigt, mit Material aus eigener Produktion.
Die Bauleitung ging später an Lorenz Hilti, Polier war Hans Nutt. Er übernahm auch beim großen Fest der Grundsteinlegung eine besondere Aufgabe: Nach der Weihe mauerte er die Urkunde der Grundsteinlegung Ende Oktober 1909 in die Wand beim Hauptportal ein.

Stein für Stein wuchs das Bauwerk und war ein Projekt, das nicht nur handwerkliches Können verlangte, sondern auch Ausdauer. Denn wirtschaftlich verlief nicht alles reibungslos: Bei der Fertigstellung und Weihe des Baus – am 12. November 1912, dem 54. Jubiläum des Regierungsantritts des Fürsten – blieb ein Teil der Rechnungen zunächst offen. Erst vier Jahre später konnte ein Vergleich erzielt und die Baustelle abgeschlossen werden.

Jahre später griff man erneut auf die Erfahrung der Gebrüder Hilti zurück. Als Anfang der 1930er-Jahre die Akustik in der Kirche verbessert werden sollte, empfahlen sie den Einsatz von Insulit-Platten – eine damals innovative Lösung zur Schalldämmung, von deren Wirkung sie überzeugt waren. Als Alleinvertreter in Vorarlberg verfügten sie zudem über besondere Erfahrung mit diesem Material. Durch die Montage dieser Holzfaserplatten im Inneren der Kirche ließ sich der Nachhall deutlich reduzieren.

Bis heute prägt die Kirche das Ortsbild von Balzers und macht die frühe Kompetenz der Gebrüder Hilti im Umgang mit Stein, aber auch mit Isolierungsthemen sichtbar.

Factbox „Fürst Johannes Jubiläumskirche“

Auftraggeber: Gemeinde Balzers
Architekt: fürstl. Hofarchitekt Gustav Ritter von Neumann, Wien
Baumeister: Gebrüder Hilti, Schaan
Bauzeit: Oktober 1909 bis November 1912
Baukosten: 300.000 Kronen (entspricht in etwa der heutigen Kaufkraft von 2,2 Mio. EUR), davon etwa 196.000 Kronen für Gebrüder Hilti
Baugattung: Hochbau

Baustelle der Jubiläumskirche in Balzers, um 1912.
Zur Dämpfung des Nachhalls baut Gebrüder Hilti Anfang der 1930er-Jahre Insulit-Platten, damals eine verbreitete Lösung aus Holzfaser, ein.
Balzner Jubiläumskirche: Ein markantes Bauwerk unserer Firma, das bis heute das Ortsbild prägt.
Foto: A. Savin, Wikipedia
Schlicht gestaltet – und gerade deshalb so wirkungsvoll: Der dunkle Marmor zeigt im Innenraum bis heute, was gutes Handwerk leisten kann.
Foto: A. Savin, Wikipedia
Nicht nur in der Gestaltung überzeugend, sondern auch in der Ausführung: die Säulen aus dunklem Trübbacher Marmor im Innenraum.
Original Zahlungs-Liste für jene Bauarbeiter, die an der Jubiläumskirche in Balzers arbeiteten
Auszug aus dem Rapportbuch