Der Gründervater Caspar Hilti
(geb. 1844) im Kreise seiner Familie.
Caspar (auch Caspar) Hilti, Jahrgang 1844, war keiner, der stehen blieb. Grenzen zu überschreiten gehörte zu seinem Leben – geografisch, beruflich und persönlich. Als er 1875 in Feldkirch sein Unternehmen gründete, wohnte er mit seiner Familie in Schaan im Fürstentum Liechtenstein und hatte bewegte Jahre hinter sich.
1866 war er Zeuge des Kriegsmitwirkens Liechtensteins und Teil jenes kleinen Kontingents von 80 Soldaten, das in die „letzte Schlacht“ des Landes zog. Die Märsche waren beschwerlich, führten zu Fuss bis zum Stilfserjoch im heutigen Südtirol – und prägten seine Erinnerung. Noch im Alter erzählte der als humorvoll geltende Caspar Hilti eindrucksvoll von diesen rund zwei Monaten als Soldat in der Fremde.
Auch privat forderte ihn das Leben früh: 1874 brannte sein Wohnhaus beim grossen Gemeindebrand von Schaan ab. Im selben Jahr heiratete er Philomena Katharina Nutt, gemeinsam bekamen sie sechs Kinder. Statt Verlorenem nachzutrauern, suchte er neue Möglichkeiten – und fand sie über der Grenze in Feldkirch, damals Teil des österreichisch-ungarischen Habsburgerreiches. Die wirtschaftlich aufstrebende Stadt war seit wenigen Jahren an die Eisenbahnlinie angeschlossen und erschloss sich damit wirtschaftlich Zugang zum grossen Markt der Monarchie.
Caspar Hilti war Handwerker durch und durch. Als gelernter Gipser ging er mit Mitte 20 auf Wanderschaft, arbeitete während des Deutsch-Französischen Kriegs in Paris und brachte neue Impulse mit nach Hause. Früh setzte er auf neuartige Materialien wie Cementplatten und machte sich mit kunstvollen Terrazzoböden einen Namen. Seine Arbeiten als Unternehmer reichten von Brunnenfassungen, über Kanalisationsarbeiten bis hin zu öffentlichen Bauten wie die Kleinkinderschule in Schaan (1902), mehrere Armenhäuser, die eigene Firma in bester Lage in Feldkirch (1908), die Finanzlandesdirektion in Feldkirch (1912) bis hin zur Fürst-Johannes-Jubiläumskirche in Balzers (1912).[vi] 1912 übergab der mittlerweile 68-jährige sein Unternehmen an seine Söhne Caspar jun. und Lorenz, die es als „Firma Gebrüder Hilti“ weiterführten.
1927 starb Caspar Hilti im Alter von 83 Jahren, wenige Tage nach der verheerenden Rheinkatastrophe – wohl eine Folge des Schocks, dass die ungeheuren Wassermengen das Magazin der Gebrüder Hilti in Schaan fortgespült hatten, so erzählt man es sich in der Familie.
Bis heute wirkt Caspar Hiltis besonderer Weg – geprägt von Arbeit, Mut und dem Überschreiten von Grenzen – nach.