Seit 1852 bildete Liechtenstein mit Österreich eine Zollunion. Waren konnten ohne Zollgrenze gehandelt werden, die österreichische Krone war offizielles Zahlungsmittel. Mit dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie nach dem Ersten Weltkrieg geriet diese Ordnung ins Wanken. Liechtenstein orientierte sich wirtschaftlich neu und schloss 1923 einen Zollvertrag mit der Schweiz, der 1924 in Kraft trat.
Für die Gebrüder Hilti änderte sich damit der Geschäftsalltag grundlegend. Während sich der Standort Schaan nun mehr am Schweizer Wirtschaftsraum orientierte, blieb Feldkirch Teil Österreichs. Angebote mussten in Franken und Kronen kalkuliert werden, Baumaterial über eine Zollgrenze beschafft und Abläufe neu organisiert werden.
Wie belastend diese Veränderung empfunden wurde, zeigt eine spätere Rückschau der Unternehmer:
„Bekanntlich war Liechtenstein bis zum Jahre 1920 österreichisches Zollgebiet, seither leider schweizerisches. Durch die neue Zollgrenze wurden unsere beiden Betriebe (Feldkirch-Vorarlberg und Schaan-Liechtenstein) auseinandergerissen, was sich besonders in Bezug auf die gemeinsame Beschaffung von Baumaterialien sehr nachteilig auswirkt.“
Als wäre diese Umstellung nicht Herausforderung genug gewesen, setzte der österreichischen Krone Anfang der 1920er-Jahre eine massive Inflation zu. Die Gebrüder Hilti hatten bereits den Auftrag für den Neubau des geplanten Spitals auf Dux in Schaan erhalten und im Oktober 1919 mit den Arbeiten begonnen. Baumaterial war aus Österreich bestellt, doch steigende Kosten und Lohnforderungen brachten die Kalkulation zunehmend ins Wanken. Auch eine Verkleinerung des Bauvorhabens wurde diskutiert. Nach rund sechs Monaten wurde das Bauvorhaben gestoppt – womit ein bedeutender Auftrag für die Gebrüder Hilti verloren ging. Fast ließe sich eine Parallele zu heute ziehen: Auch rund hundert Jahre später wird in Liechtenstein wieder um den Neubau eines Landesspitals gerungen. Wieder beschäftigen Kosten, Planung und Finanzierung Politik und Öffentlichkeit.
Für die Gebrüder Hilti wurden die wirtschaftlichen Umbrüche jener Jahre unmittelbar spürbar: beim Materialeinkauf, in der Kalkulation und auf den Baustellen. Die neue Zollgrenze veränderte den Alltag des Bauunternehmens, das bis dahin selbstverständlich auf beiden Seiten des Rheins gearbeitet hatte.



