Zu dieser Zeit veränderte sich der Verkehr. Statt Pferdefuhrwerken waren immer mehr Automobile auf den Straßen unterwegs. Die bis dahin üblichen Makadamstraßen mit ihrer losen Sand- und Splitschicht sorgten jedoch für eine enorme Staubentwicklung. Der zunehmenden Belastung hielten sie immer schlechter stand. Gefragt waren daher neue Beläge, die widerstandsfähiger und langlebiger waren.
So entstand bei den Gebrüdern Hilti die Idee für ein neues Geschäftsfeld: der Straßenbau mit Teerbelägen. 1932 nahm das Unternehmen auf dem Ziegelei-Areal in Götzis seine erste Teer-Mischanlage in Betrieb. Dort wurde ein Kaltmischgut aus Sand, Split und Teer hergestellt und anschließend mit Pferdefuhrwerken, Traktoren und später Lastwagen zu den Baustellen transportiert.
Schon bald entstanden die ersten größeren Straßenprojekte. In Arbeitsgemeinschaft wurden unter anderem Straßen in Wolfurt, zwischen Lochau und Bregenz, in Hörbranz sowie zwischen Altach und Hohenems aber auch zwischen Vaduz und Schaan mit den neuen Belägen ausgeführt – insgesamt rund 11.000 m². Die Freude bei den Anrainern war damals groß. Eine Zeitung schrieb, sie würden vor allem eines begrüßen: „die große Staubplage“ gehöre endlich der Vergangenheit an – viele zeigten sich daher auch bei der Grundablöse für die Straße großzügig.
Der Zweite Weltkrieg brachte den Straßenbau nahezu zum Stillstand. Es fehlte an Arbeitskräften und Material. Erst Ende der 1940er-Jahre konnte das Geschäftsfeld wieder aufgebaut werden – nun mit Bitumen, da Teer als gesundheitsgefährdend verboten wurde.
Einer, der diese Entwicklung maßgeblich vorantrieb, war Alois Jehle. Sein Interesse an neuen Technologien ging so weit, dass er 1955 mit dem Schiff in die USA reiste, um dort moderne Asphaltmischanlagen und Straßenbaustellen zu besichtigen. Amerika galt Europa in vielen Bereichen des Straßenbaus als voraus. Alois Jehle studierte die Bauverfahren vor Ort, notierte technische Details und brachte sein Wissen zurück in die Heimat. Die neuen Erkenntnisse flossen in zahlreiche Projekte ein. Dazu gehörten unter anderem die Straße ins Axamer Lizum für die Olympischen Winterspiele 1964 sowie später Abschnitte der Vorarlberger Rheintalautobahn A14. Gleichzeitig entwickelte das Unternehmen Maschinen und Bauverfahren kontinuierlich weiter – bis heute.
Was Mitte der 1920er-Jahre mit überschüssigem Split aus einer Schottermühle begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem wichtigen Geschäftsfeld. Auch heute, rund 100 Jahre später, gehören Belagsarbeiten zu den Kernkompetenzen von Hilti & Jehle und Gebrüder Hilti – und bilden einen wesentlichen Bestandteil ihrer heutigen Tätigkeit.






Ein Arbeitstag mit Teer hinterließ seine Spuren von Kopf bis Fuß – hier beim Straßenbau in Riezlern, 1939