1979

1979

Vorarlberger Landhaus: Gebautes Vertrauen

Manche Bauwerke begleiten ein Land über Generationen. Das Vorarlberger Landhaus gehört zweifellos dazu. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1981 ist es Sitz der Landesverwaltung und damit jener Ort, an dem wichtige Entscheidungen für Vorarlberg getroffen werden.

Als in den 1970er-Jahren der Neubau geplant wurde, ging es um mehr als nur ein weiteres Verwaltungsgebäude. Bis dahin waren die Dienststellen auf elf Standorte verteilt – nun sollten sie an einem Ort zusammengeführt werden. Entstehen sollte ein modernes, repräsentatives Gebäude für das Land Vorarlberg, ein Prestigeprojekt mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit.

Aus dem Architektenwettbewerb ging Wilhelm Holzbauer aus Wien als einer der Gewinner hervor – sein Entwurf sollte umgesetzt werden. Bei einem Projekt dieser Größenordnung konnte man sich weder Verzögerungen, noch Kompromisse bei der Qualität leisten. Eine reibungslose Ausführung war daher oberstes Gebot.

Die Baumeisterarbeiten wurden deshalb im Herbst 1977 an eine Arbeitsgemeinschaft vergeben: Gebrüder Feierle aus Dornbirn und die Feldkircher Baufirmen Hilti & Jehle sowie Seraphin Pümpel & Söhne sollten das Projekt gemeinsam realisieren. Allein die Zahlen verdeutlichen die Dimensionen des Vorhabens: Rund 108.500 Kubikmeter Erdreich wurden bewegt. Fast 30.000 Kubikmeter Beton und mehr als zwei Millionen Kilogramm Stahl wurden verbaut. Bis zur Fertigstellung des Rohbaus leisteten die Beschäftigten – Poliere, Maurer, Schalungsbauer, Kranführer und Bauleiter – rund 320.000 Arbeitsstunden. Sie alle bauten aus den Plänen ein Gebäude, das das Bild Vorarlbergs bis heute prägt.

Rückblickend bedeutete das Landhaus für Hilti & Jehle vor allem eines: Es war der Beweis, dass das Unternehmen auch komplexe Großprojekte erfolgreich umsetzen konnte. Dabei ging es nicht nur um bautechnisches Können. Ebenso wichtig war die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgemeinschaft. Unterschiedliche Unternehmen, hunderte Beschäftigte und zahlreiche Gewerke mussten koordiniert werden – eine Aufgabe, die gegenseitiges Vertrauen, Verlässlichkeit und klare Absprachen erforderte.

Dass dies gelang, zeigt auch eine Anekdote aus der Bauzeit. Für Hilti & Jehle war Baumeister Johann Oettl als Bauleiter für das Projekt verantwortlich. Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft wurde vereinbart: Sollte der Rohbau früher als geplant fertig werden, würde ein Bonus ausbezahlt. Der Anreiz wirkte. Die Arbeiten wurden tatsächlich vor dem vereinbarten Termin fertig. Johann Oettl erfüllte sich von seinem Anteil einen lang gehegten Wunsch: Als begeisterter Musiker kaufte er sich ein Horn.

Auch vier Jahrzehnte später ist das Landhaus mehr als nur ein bedeutendes Bauwerk in der Unternehmensgeschichte von Hilti & Jehle. Bis heute steht Hilti & Jehle für die Bereitschaft, Verantwortung bei anspruchsvollen Projekten zu übernehmen und für den Anspruch, Bauwerke zu schaffen, die über Generationen Bestand haben.

Factbox „Vorarlberger Landhaus“

Auftraggeber: Land Vorarlberg
Architekt: DI Wilhelm Holzbauer, Wien
Baumeisterarbeiten: ARGE Hilti & Jehle, Feldkirch (technische Geschäftsführung) – Pümpel & Söhne, Feldkirch (kaufmännische Geschäftsführung) – Gebrüder Feierle, Dornbirn
Bauzeit: November 1977 bis August 1979 (Firstfeier)
Baukosten: 88,6 Mio. Schilling (entspricht in etwa der heutigen Kaufkraft von 23,1 Mio. EUR)
Baugattung: Hochbau

Hilti & Jehle führte auf dieser Baustelle eine Grundwasserabsenkung im Vakuum-Verfahren durch.
Auch Schnee konnte den Baufortschritt nicht bremsen, Winter 1978.
Gemeinsame Brotzeit auf der Baustelle – Zeit für Gemeinschaft
Säule für Säule, Ebene für Ebene nahm das Landhaus Gestalt an, 1978.
Noch dominierten die Kräne die Baustelle, Mai 1979
Foto: Helmut Klapper/Vorarlberger Landesbibliothek
1984 war das neue Wahrzeichen für das Land Vorarlberg fertig, August 1984
Foto: Helmut Klapper/Vorarlberger Landesbibliothek