„Zement, der neue „Kunststein“, machte Bauen schneller und billiger.“
Als Caspar Hilti 1875 in Feldkirch sein Gewerbe für die Herstellung von „Cementtafeln“ anmeldete, traf er damit einen günstigen Zeitpunkt. Seit drei Jahren fuhr die Eisenbahn zwischen Bregenz und Bludenz. Feldkirch lag verkehrsgünstig an der Strecke, die neue Bahnlinie brachte der Stadt einen spürbaren Aufschwung. So wuchs die Nachfrage nach Baustoffen. Und mit Zement stand ein neuer Werkstoff zur Verfügung, der vielseitig verwendbar war.
Als gelernter Gipser brachte Caspar ein feines Gespür für Oberflächen und Verarbeitung mit – und übertrug dieses Wissen auf den noch neuen Baustoff Zement. Er produzierte Zementplatten aus Portland- und Romanzement. Diese Erfindung aus dem frühen 19. Jahrhundert zeichnete sich durch eine besonders gleichmäßige Mischung aus und war ideal für die Herstellung verschiedenster Zementwaren.
Wie sicher Caspar Hilti im Umgang mit diesem Material war, zeigt sich auch an einem anderen Produkt: den sogenannten Terrazzo-Böden. Sie wurden vor Ort aus einer Zementmasse hergestellt, mit Marmor- oder Granitstücken versetzt, geschliffen und abschließend poliert. Im Gegensatz zu den reinen Zementwaren waren sie kein fertiges Produkt, das verlegt wurde, sondern entstanden direkt vor Ort. Schicht für Schicht, bis zur glatt polierten Oberfläche und individuell angepasst an jede Grundfläche. Bis heute haben sich diese einzigartigen Bodenbeläge in so manchem Gründerzeithaus erhalten – unter anderem auch im Firmensitz von Hilti & Jehle in Feldkirch.
Der Erfolg gab Caspar Hilti recht: Zusätzlich zum neuen Firmensitz in Feldkirch baute er sich 1895 ein eigenes Zementmagazin in der Bretscha in Schaan – dort, wo später viele Jahrzehnte Gebrüder Hilti seinen Hauptsitz hatte.
Mit Zement legte Caspar Hilti den Grundstein für alles, was folgen sollte – Stein für Stein und Generation für Generation.




