Doch zurück zum Anfang: 1910 riss ein Hochwasser die eiserne Brücke über die Ill mit sich – und setzte auch das Geschäft von Caspar Hilti unter Wasser. Eine hölzerne Notlösung ersetzte die Brücke, wurde aber 1918 erneut von den Fluten mitgerissen. Doch der zunehmende Verkehr machte deutlich: Eine dauerhafte Lösung musste her.
Eine neue Brücke wurde weiter flussaufwärts geplant – höher gelegen, ohne Pfeiler im Wasser und als Bogenkonstruktion mit abgehängter Fahrbahn. Den Auftrag erhielten die Baufirmen Seraphin Pümpel und Gebrüder Hilti. Für beide war der Brückenbau in Stahlbetonweise Neuland, also ein mutiges Projekt ohne Erfahrung in diesem Bereich.
Mit dem Baustart im März 1927 begann eine anspruchsvolle Bauphase. Immer wieder stand die Baustelle still – etwa wenn der Wasserstand die Arbeit unmöglich machte. Gearbeitet wurde daher in Etappen, abhängig von der Witterung und dem Untergrund. Im Sommer 1928 wuchs die Brücke sichtbar zusammen, indem die Fahrbahn ergänzt wurde.
Gebaut wurde unter Bedingungen, die heute kaum mehr vorstellbar sind. Beton wurde in Kübeln von Hand weitergereicht, von Arbeiter zu Arbeiter – ein Vorgang, der Kraft und Ausdauer verlangte.
Im Herbst 1928 war die Brücke schließlich fertig. Die Belastungsprobe bestand sie mit Bravour: Fünf beladene Lastwagen mit rund 55 Tonnen Gewicht befuhren die Brücke und brachten sie nur um einen Millimeter zum Nachgeben.
Die „Vereinigungsbrücke“ – benannt nach dem Zusammenschluss der umliegenden Gemeinden Feldkirch, Altenstadt, Tisis und Tosters – blieb lange ein wichtiger Verkehrsweg. Als sie 1995 durch eine neue Brücke ersetzt wurde und abgebrochen werden sollte, engagierte sich die Bevölkerung erfolgreich für ihre Erhaltung. Heute gehört sie ausschließlich Fußgängern und Radfahrern.
Dass Hilti & Jehle Jahrzehnte später erneut an dieser Brücke arbeitete, war also kein Zufall. Die Vereinigungsbrücke steht damit nicht nur für eine beliebige Verbindung über die Ill – sondern für eine starke Bauleistung, die Generationen verbindet.

Foto: Stadtarchiv Feldkirch



Foto: Stadtarchiv Feldkirch

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