1912

1912

Caspar und Lorenz Hilti: Baumeister und Unternehmer

Als Caspar Hilti 1912 sein Unternehmen an seine Söhne übergab, begann ein neues Kapitel der Familien- und auch Firmengeschichte. Aus dem Handwerks- und Baubetrieb des Vaters wurde die „Gebrüder Hilti“ – ein Name, der bis heute in Liechtenstein, der Ostschweiz und in Vorarlberg bestens bekannt ist.

 

Kaspar jun. und Lorenz Hilti waren mit dem Bauwesen aufgewachsen. Anders als ihr Vater hatten sie eine fundierte Ausbildung genossen und brachten neue Ideen sowie unternehmerischen Weitblick in das Unternehmen ein. Noch vor der offiziellen Übernahme arbeiteten beide bereits im Betrieb mit. Zu ihren ersten wichtigen Projekten gehörte das neue Geschäftshaus am Hirschgraben in Feldkirch – heute die Zentrale von Hilti & Jehle.

Mit der Firmenübernahme wurden auch die Aufgaben aufgeteilt: Kaspar jun. führte die Geschäfte in Feldkirch, Lorenz blieb in Schaan. Gemeinsam entwickelten sie das grenzüberschreitende Unternehmen zu einem der bedeutenden Bauunternehmen der Region.

Zu ihren Bauwerken zählen unter anderem die Jubiläumskirche in Balzers, die Finanzlandesdirektion und die Stella Matutina in Feldkirch sowie die Pfälzer Hütte. Darüber hinaus errichteten sie die Kirchen in Batschuns, Mäder und Wald am Arlberg sowie zahlreiche Straßen, Wohn- und Geschäftsbauten. Außerdem arbeiteten sie für Firmen wie Getzner, Mutter & Cie. in Bludenz. Auch bekannte Hotels in Zürs entstanden unter ihrer Mitwirkung.

Der Weg der Brüder war jedoch nicht nur von Wachstum geprägt. Hochwasser zerstörten wiederholt Material und Infrastruktur, Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit erschwerten den Aufbau. Und dennoch bauten die Gebrüder Hilti weiter. Sie halfen mit, die Region nach Katastrophen wieder aufzurichten – etwa beim Ausbau des Entlastungskanals in Schaan oder beim Neubau der Vereinigungsbrücke in Feldkirch.

Innerhalb weniger Jahre verlor das Unternehmen schließlich beide Unternehmerpersönlichkeiten: Lorenz starb 1931 im Alter von nur 48 Jahren, Kaspar folgte ihm 1934.

Kaspar jun. Hilti – Unternehmer mit Weitblick

Der ältere der beiden Brüder besuchte die K.k. Staatsgewerbeschule in Innsbruck und wurde Maurermeister. Nach Praxisjahren im Elsass und in Norddeutschland gründete er 1906 zunächst ein eigenes Baugeschäft in Schaan, bevor er 1912 gemeinsam mit seinem Bruder das väterliche Unternehmen übernahm.

Kaspar galt als unternehmerischer Motor der Firma. Unter seiner Führung wurden große Bauprojekte umgesetzt und wichtige Rohstoffquellen für das Unternehmen gesichert. Gleichzeitig interessierte er sich für technische Neuerungen. Besonders Automobile hatten es ihm angetan – zu einer Zeit, als die meisten Menschen noch mit Pferd, Wagen oder Fahrrad unterwegs waren.

Ausgerechnet diese Begeisterung sollte ihm zum Verhängnis werden. Während des Baus des Klosters in Schaan verunglückte Kaspar mit seinem Auto und landete in einem Wassergraben. Zwar konnte er sich retten, zog sich jedoch eine schwere Lungenentzündung zu, an deren Folgen er im Oktober 1934 im Alter von nur 57 Jahren starb.

Lorenz Hilti – Baumeister und Netzwerker

Lorenz Hilti absolvierte seine Ausbildung an den Fachschulen für Bautechnik in Stuttgart und Innsbruck. Anschließend legte er die Baumeisterprüfung für Deutschland und Österreich ab. Berufliche Erfahrungen sammelte er unter anderem als Bauführer im Tessin, wo er Italienisch lernte – eine wertvolle Fähigkeit auf Baustellen mit vielen italienischen Arbeitern.

1912, im Jahr der Firmenübernahme, errichtete er sein Wohnhaus „Im Bretscha“ in Schaan, direkt neben dem Bauhof der Gebrüder Hilti. Von dort aus prägte er nicht nur das Unternehmen, sondern auch das öffentliche Leben in seiner Heimatgemeinde. Er war Mitglied des Schützenvereins Vaduz, der landesfürstlichen Gewerbssteuerkommission, des Ortsschulrates und während 15 Jahren Gemeindevertreter in Schaan.

Auch technisch blieb Lorenz stets interessiert und engagierte sich unter anderem im Vorarlberger Technischen Verein.

Immer wieder wurde sein Leben von gesundheitlichen Problemen überschattet. 1931 starb er im Alter von nur 48 Jahren an den Folgen eines Sturzes auf dem Eis. Sein früher Tod bedeutete einen schweren Verlust für Familie und Unternehmen.

Nach dem frühen Tod beider Brüder lag es an den hinterbliebenen Familien, ihr Lebenswerk weiterzuführen. Der Name „Gebrüder Hilti“ blieb bestehen – ebenso wie viele Grundlagen, die Kaspar und Lorenz geschaffen hatten. Ihr unternehmerischer Weitblick prägt die Geschichte des Unternehmens bis heute.

Steckbrief Kaspar Hilti jun.

  • 1877–1934
  • Maurermeister
  • Wohnort: Feldkirch
  • Verheiratet mit Olga Quaderer
  • kinderlos

Steckbrief Lorenz Hilti

  • 1883–1931
  • Baumeister
  • Wohnort: Schaan
  • Verheiratet mit Berta Quaderer
  • Drei Kinder: Gertrud (geb. 1910), Werner (geb. 1911) und Katharina (geb. 1916)
Kaspar Hilti jun. (1877-1934)
Lorenz Hilti (1883-1931)
Philomena und Kaspar Hilti hatten drei Töchter und drei Söhne, wobei nur Kaspar jun. (3.v.re.) und Lorenz (1.v.re.) beruflich in die Fußstapfen des Vaters traten.
Mit diesem Inserat machte Caspar Hilti die Übergabe seines Baugeschäfts an seine Söhne öffentlich – im Feldkircher Anzeiger an Silvester 1911.
Lorenz Hilti baute sein Wohnhaus direkt neben dem Bauhof von Gebrüder Hilti in Schaan.
Lorenz Hilti baute sein Wohnhaus direkt neben dem Bauhof von Gebrüder Hilti in Schaan.
Kaspar Hilti jun. unterwegs im Auto, hier 1927.